Nachhaltiges Investment

Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren zu einem Thema von immer stärkerer Bedeutung geworden. Inzwischen achten viele Verbraucher darauf, nachhaltig zu leben. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit auch ein Begriff, der von jeder Person individuell definiert und gelebt wird – eine einheitliche, allgemeingültige Definition dazu gibt es nicht. Dabei betrifft Nachhaltigkeit längst nicht mehr nur die Ernährung oder Kleidung. Wer grossen Wert auf Nachhaltigkeit legt, achtet in sämtlichen Lebensbereichen darauf. Auch bei der Geldanlage achten Anleger in den letzten Jahren verstärkt auf diesen Aspekt. Das hat viele neue Finanzprodukte auf den Plan gerufen, die sich als nachhaltig bezeichnen. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf Investments überhaupt? Welche Möglichkeiten gibt es dafür in diesem Bereich, und stellen sie eine wirkliche Alternative zur „klassischen“ Geldanlage dar? Auf diese Fragen soll der folgende Beitrag näher eingehen.

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit bei Investments

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist sehr vielfältig und wird von jeder Person etwas unterschiedlich verstanden. Die einen verwenden dieses Wort beinahe synonym für Umweltfreundlichkeit. Andere wiederum sehen darin die Langlebigkeit von Produkten oder eine ressourcenschonende Produktion. Dabei ist der Grundgedanke der Nachhaltigkeit schon etwas älter. Begründer dieser Idee war wohl Carl von Carlowitz, der um das Jahr 1713 von einem “stabilen Gleichgewicht” schrieb. Er bezog diese Idee damals auf die Forstwirtschaft. In einem Wald sollten nur so viele Bäume gefällt werden, wie in absehbarer Zeit wieder nachwachsen können. Dieses Prinzip lässt sich heute auf sämtliche Lebensbereiche anwenden: Wer nachhaltig lebt, möchte durch seinen Konsum und die Lebensweise nur so viel Ressourcen verbrauchen, wie vernünftigerweise wieder nachwachsen können. Auch die Emission von CO₂ spielt eine wichtige Rolle bei dem Gedanken: Es soll nur so viel Kohlendioxid entstehen, wie auch wieder abgebaut werden kann.

Nachhaltigkeit bei der Geldanlage funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Denn die klassischen Ziele, die bei der Geldanlage verfolgt werden, sind hohe Rentabilität, grosse Flexibilität sowie geringes Risiko. Der Gedanke des nachhaltigen Investments erweitert diese Ziele noch um den Umweltschutz. Das entweder bedeuten, dass eine Geldanlage selbst in klimafreundliche Projekte investiert, oder dass für ein nachhaltiges Investment klimaschädliche Infrastrukturen ausgeschlossen werden. Dieses Ziel kann den anderen Zielen bei der Geldanlage entweder gleichgestellt oder sogar übergeordnet werden. Das würde etwa bedeuten, dass ein Anleger zugunsten der Nachhaltigkeit auf eine hohe Rendite verzichtet oder eine längere Laufzeit in Kauf nimmt.

Welche Möglichkeiten für ein nachhaltiges Investment gibt es?

Eine der klassischen Möglichkeiten für ein nachhaltiges Investment ist die direkte Anlage in Projekte, die sich mit Umweltschutz beschäftigen. In den letzten Jahren waren das immer wieder Windparks. Meist wurden dafür Anleihen ins Leben gerufen, welche Kapital für den Bau und Instandhaltung von Windrädern einsammeln sollten. Einige Anbieter haben über die Jahre hinweg auch Fonds aufgesetzt, die speziell Firmen aus dem Nachhaltigkeits-Sektor in sich versammeln.

Die Geschmäcker und Bedingungen, um eine Anlage als “nachhaltig” zu bezeichnen, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Deswegen sollten interessierte Anleger die Wertpapiere unbedingt im Vorfeld überprüfen – und im Zweifel mit der Direktanlage in Aktien ihren eigenen, individuellen „grünen Fonds“ auflegen. Denn so kann jeder selbst entscheiden, ob bestimmte Länder oder Industriezweige ausgeschlossen werden sollen oder nicht. So finden manche Anleger Gentechnik nicht verwerflich, andere möchten auf gar keinen Fall darin investieren. Gleiches gilt für einige Branchen wie die Alkohol- oder Glücksspielindustrie.

Die Risiken bei nachhaltigen Investments

Eine der grössten Befürchtungen vieler Anleger ist der Verlust von Rendite, wenn sie auf ein nachhaltiges Investment umsteigen. Allerdings ist diese Angst – zumindest nach Berücksichtigung dessen, wie sich der Markt bisher entwickelt hat – unbegründet. Die Renditen sind ähnlich wie herkömmliche Investments, mit einigen „Ausreissern“ nach oben und nach unten. Grundsätzlich unterscheiden sich auch die Risiken bei nachhaltigen Investments nicht wesentlich von den klassischen Pendants. Man kann daher nicht von höheren Risiken sprechen; höchstens verschieben sich die Risiken auf spezifische Gebiete. Je besser sich Anleger mit den Eigenheiten dieser Risiken auseinandersetzen, desto besser können sie sich darauf einstellen und diese Fakten bei ihrer Anlageentscheidung berücksichtigen.

So weisen Fonds mit einer grossen Anzahl von Technikwerten grundsätzlich eine höhere Schwankung auf. Gerade junge Technologien sind noch sehr schwankungsanfällig; neue Unternehmen sind hier auch oft günstig bewertet. Das führt dazu, dass schon Preisänderungen von wenigen Cent eine grosse prozentuale Änderung darstellen können. Auch das sogenannte Klumpenrisiko sollten Anleger vermeiden. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Werte von Unternehmen einer bestimmten Branche im Depot dominieren. Gerät nun diese Branche unter Druck, zieht das oft den Wert des ganzen Depots nach unten. Deswegen gilt auch für ein nachhaltiges Investment: diversifizieren!

Ebenfalls sollten sich Anleger bewusst sein, dass die Strenge der Auswahlkriterien einen direkten Einfluss auf die Anzahl von Werten hat, zwischen denen man wählen kann. Das bedeutet: Je mehr Kriterien bei der Auswahl von Unternehmen berücksichtigt werden sollen, desto weniger Werte bleiben am Ende für ein Investment übrig. Das wiederum kann zum eben beschriebenen Klumpenrisiko führen. Auch bei Sonderformen wie geschlossenen Fonds sollten Anleger besonders sorgfältig prüfen, wie die Bedingungen für die Anlage sind, unter welchen Umständen das Geld wieder ausbezahlt wird und so weiter.

Fazit

Nachhaltige Investments stellen eine echte Alternative für die Geldanlage dar. Wer zunächst noch etwas skeptisch ist, kann auch mit geringeren Beträgen zunächst etwas in diese Anlageformen „hineinschnuppern“. Tatsache ist, dass immer mehr Anbieter solche Investmentformen auf den Markt bringen. Allerdings lohnt es sich, hier genauer hinzusehen und die einzelnen Produkte zu hinterfragen – denn nicht überall, wo „nachhaltig“ draufsteht, ist auch das dahinter, was sich der Anleger wünscht. Mit Sicherheit bieten nachhaltige Investments eine gute Möglichkeit, auch im Bereich der Geldanlage etwas für die Umwelt und die nächste Generation zu tun – und wer weiss, vielleicht ist dieser Weg ja der Standard der Zukunft.