Homeschooling in der Schweiz

Vielfalt der Gesetzgebung
Während in Deutschland die Schulpflicht herrscht, nach der (gesunde) Kinder bzw. Jugendliche mit Vollendung des 5. bis 7. Lebensjahres bis mindestens zur Vollendung des 18. Lebensjahres eine Schule besuchen müssen, gibt es in vielen anderen Ländern, darunter auch Österreich und die Schweiz, die Möglichkeit, schulpflichtige Kinder alternativ ausserhalb einer Schule durch Home Schooling zu unterrichten. Es besteht eine Unterrichtspflicht, aber kein Schulbesuchszwang wie in Deutschland. Die Länder der DACH-Region haben allerdings gemeinsam, dass Einzelheiten in Schulangelegenheiten durch ihre Bundesländer bzw. Kantone geregelt werden. In Deutschland dient u. a. die Kultusministerkonferenz zu ihrer Kooperation, in Österreich das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, in der Schweiz gibt es interkantonale Schulabkommen und als Regelungen zur Schulausbildung (ausserhalb beruflicher Schulbildung) z. B. das Bildungszusammenarbeitsgesetz (BiZG) und die “Vereinbarung vom 16. Dezember 2016 zwischen dem Bund und den Kantonen über die Zusammenarbeit im Bildungsraum Schweiz” (ZSAV-BiZ) ). In jedem Fall gilt die “Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft” (BV), in der es in Art. 62 u. a. heisst: “(1) Für das Schulwesen sind die Kantone zuständig.”

Schweiz – unterschiedliche kantonale Regelungen
Den Kantonen obliegt nach Art. 62 BV auch die Aufgabe, einen zufriedenstellenden Grundschulunterricht zu gewährleisten: “(2) Sie [die Kantone] sorgen für einen ausreichenden Grundschulunterricht, der allen Kindern offensteht. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch und untersteht staatlicher Leitung oder Aufsicht. An öffentlichen Schulen ist er unentgeltlich.” Wo der ausreichende Grundschul- und der darauffolgende Unterricht stattzufinden hat, wird von den Kantonen unterschiedlich geregelt. Prinzipiell möglich ist der Besuch einer öffentlichen Schule – dieses Angebot wird von der grossen Mehrheit der in der Schweiz wohnenden Kinder genutzt -, einer Privatschule und das Home Schooling. Doch nicht alle Kantone erlauben Home Schooling. Andere stellen dafür hohe Anforderungen an die Unterrichtenden, während weitere Kantone andere bzw. freiere Massstäbe für die Durchführbarkeit des Unterrichtens zuhause ansetzen. Der Kanton Basel-Stadt gehört zu jenen, die strengere Massstäbe ansetzen und Home Schooling nur für begründete Ausnahmefälle erlauben, unter Aufsichtsführung des dortigen Erziehungsdepartements.

Schweiz – eine Klage und die Folgen
Nachdem im Jahre 2017 eine Mutter, deren Antrag auf Homeschooling zuvor abgewiesen worden war, eine Klage gegen das Erziehungsdepartement Basel-Stadt verlor und der Fall durch weitere Instanzen ging, kam es am 22. August 2019 – also vor “Corona-Zeiten” – zu einer Entscheidung durch das schweizerische Bundesgericht; es stellte fest, dass es den Kantonen freistehe, zu entscheiden, ob und inwieweit Homeschooling zuzulassen sei. Aus der Bundesverfassung mit ihren Regelungen zum Grundschulunterricht und aus dem Grundrecht auf Achtung von Privat- und Familienleben wäre kein Anspruch auf häuslichen Privatunterricht herzuleiten. Diese Entscheidung wurde unterschiedlich aufgenommen. Während Stimmen aus dem LCH (schweizerischer Dachverband für Lehrerinnen und Lehrer) sie begrüssten, äußerte sich der Verein “Bildung zu Hause Schweiz” enttäuscht und wies auf die Vorteile von Homeschooling hin. Auch aus Elternkreisen gibt es Stimmen, die der Entscheidung kritisch gegenüberstehen. Verwiesen wird von diesen nicht nur auf die umfassenden Bildungsmöglichkeiten durch Homeschooling, sondern auch auf die zunehmenden Gefährdungen von Kindern in Schulen durch Bedrohungen, Gewalt und Cybermobbing. Im Jahre 2019 soll es in der Schweiz rund 2500 Kinder gegeben haben, die die Vorteile des Homeschoolings nutzen konnten. Mit Auftauchen des Corona-Virus’ wurde Homelearning der Standard für alle. Zum Schutz der Bevölkerung verfügte der Bund die Schliessung der Schulen ab dem 16. März 2020 (zunächst bis zum 19. April 2020).