Durchführung und Bedeutung der Gerinnungsdiagnostik

Als Gerinnungsdiagnostik wird eine Gruppe verschiedener labormedizinischer Untersuchungsmethoden zusammengefasst, welche zur Überprüfung der Blutgerinnung bestimmt sind. Durch derartige Untersuchungen lassen sich sowohl erworbene als auch genetisch bedingte Gerinnungsstörungen feststellen. Ihnen kommt in der medizinischen Praxis und Wissenschaft eine bedeutende Rolle als Basis zur Einleitung weiterer Behandlungsformen zu.

Bedeutung der Gerinnungsdiagnostik für die medizinische Praxis
Gerinnungsstörungen stellen eine erhebliche Belastung für die Betroffenen dar, weil schon einfache Verletzungen aufgrund der mangelnden Gerinnung zu einem starken Blutverlust führen können. Unter Umständen kann es deshalb zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Operative Eingriffe erhöhen bereits bestehende Gefahren noch um ein Vielfaches. Es ist deshalb wichtig, mögliche Störungen der Gerinnungsfähigkeit des Blutes schnell und sicher festzustellen. Durch die Vergabe spezieller Präparate lässt sich die Gerinnungsfähigkeit des Blutes steigern, sodass Gefahren verringert und medizinische Eingriffe ordnungsgemäß durchgeführt werden können. Eine Gerinnungsdiagnose wird also als Grundlage zur Einleitung adäquater Behandlungsmaßnahmen genutzt. Sämtliche Verfahren, die zur Feststellung einer erworbenen oder genetisch bedingten Blutgerinnungsstörung genutzt werden können, spielen deshalb eine nicht unerhebliche Rolle in der medizinischen Praxis und Forschung.

Durchführung, Material bzw. Parameter der Diagnostik
Für die Durchführung einer ordnungsgemäßen Gerinnungsdiagnostik wird bestimmtes Material benötigt. Hierzu zählen EDTA-Blut, je 5 ml Citratplasma und Serum. Ein diagnostisches Verfahren hat nur Erfolg, wenn sämtliche benötigten Materialen in hinreichender Menge vorhanden sind. Es ist deshalb zwingend nötig, dem Patienten Blut abzunehmen. Dieses bildet bei sämtlichen zur Verfügung stehenden Parametern den wesentlichen Untersuchungsgegenstand.

Inwieweit ein Patient an einer Blutungsneigung leidet, wird anhand bestimmter Parameter ermittelt. Hierzu zählen ein kleines Blutbild, das die Thrombozytenzahl angibt, der sogenannte Quick-Wert (TPZ) bzw. INR und die aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT). Es sind diese Parameter, die unter dem Begriff der Gerinnungsdiagnostik zusammengefasst werden. Störungen der Thrombozytenfunktion lassen sich auf diese Art allerdings nicht feststellen. Hierzu stehen andere Parameter zur Verfügung, die sich an der Blutungszeit orientieren. Sie werden in der Regel nur eingesetzt, wenn der Verdacht einer Störung der Thrombozytenfunktion im Raum steht.

Erweiterte Diagnostik zur Bestimmung der Blutgerinnung
Die oben beschriebenen Standardparameter der Gerinnungsdiagnostik reichen häufig nicht aus, um eine belastbare Diagnose zu erzielen. Insbesondere Thrombophilie und eine Thrombozytenfunktionsstörung können nicht mit den gängigen Verfahren ermittelt werden. In Wissenschaft und Praxis haben sich deshalb weitere Laborparameter herausgebildet, die ebenfalls zur Bestimmung der Gerinnung eingesetzt werden können. Hierzu zählen eine Einzelfaktoranalyse, D-Dimere, Fibrinogen, eine Überprüfung der Thrombinzeit, Antithrombinuntersuchungen, die Feststellung der sogenannten Ecarin-Clotting-Time sowie die Aktivität des Anti-Faktors Xa. Ferner können auch ein Plasmamischversuch, die Ermittlung der Reptilasezeit sowie eine Untersuchung des Lupus-Antikoagulans angezeigt sein.